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Das Verhältnis junger Israeli zu Deutschland
Das Verhältnis junger Israeli zu Deutschland ist gänzlich unbefangen. Das liegt auch an vier Jungs aus Magdeburg. Tel Aviv. Gaby Goldberg bekommt in jüngster Zeit häufiger Anrufe von verzweifelten Müttern. Sie alle haben das gleiche Problem: Ihre Kinder wollen Deutsch lernen. Wegen Tokio Hotel. Dieser Band aus Magdeburg. "Das ist denen hochgradig peinlich", sagt Goldberg und lacht. Die 47-Jährige ist seit 13 Jahren Deutschlehrerin am Goethe-Institut in Jerusalem und profitiert von einem Musiktrend: Israelische Mädchen lieben Toki Hotel. Sie lieben sie so sehr, dass sie das Jugendmagazin "Rosch Echad", eine Art "israelischer Bravo", dazu bewegten, zum ersten Mal in seiner Geschichte eine deutsche Band auf den Titel zu heben. 6000 Fans unterschrieben eine Petition und lockten so die vier Jungs ins Heilige Land. Auch Naomi Lubinetzki wäre bei dem Konzert im Oktober in Tel Aviv gern dabei gewesen. Doch scheiterte sie am Widerstand ihrer Eltern. Schließlich war Sabbat, der jüdische Feiertag. Da sind Ausflüge nach Tel Aviv nicht drin. "Ich hab viel geweint an dem Tag", sagt Naomi. Trost findet die 13-Jährige aus Haifa in den Tokio-Hotel-Texten. Zudem ist sie in ihrer Clique jetzt selbst ein Star. Denn sie spricht Deutsch und das ist in. "Früher behaupteten hier alle, Deutsch sei hässlich, die Sprache der Nazis", sagt Naomi, die bis ins Grundschulalter in Düsseldorf lebte. Doch das änderte sich, als Israels Teenager anfingen, Lieder wie "Durch den Monsun" und "Spring nicht" zu hören und mit dem Konterfeit von Bill und Tom bedruckte Mappen in die Schule zu tragen. "Für viele ist es jetzt die beste Sprache der Welt", sagt Naomi. Dabei steht Deutsch an isrealischen Schulen gar nicht auf dem Stundenplan. Hier haben Englisch und Französisch Vorrang. Nur an einigen wenigen Gymnasien können Schüler freiwillig an einer Art Deustch-AG teilnehmen. Auch Naomis Freundinnen Avishag und Avital wollen die Sprache von Tokio Hotel lernen. Bislang muss Naomi die Songtexte für sie noch ins Hebräische übersetzen. Aber das soll sich bald ändern, sagen sie. "Denn die Texte sind nicht oberflächlich, sondern haben Tiefgang", schwärmt die 16-jährige Avishag. Dass sich Deutsch nun in Israel zur neuen Trendsprache entwickelt hat, kommt für viele überraschend. Lange Zeit wurde hier alles Deutsche tabuisiert. 2000 hatte der damalige Bundespräsident Johannes Rau mit seiner auf Deutsch gehaltenen Rede in der Knesset, dem israelischen Parlament, noch für großen Aufruhr gesorgt. Goldberg zufolge gibt es 60 Jahre nach der Staatsgründung eine "Generation Tokio Hotel", die mit der deutschen Sprache ganz unbelastet umgeht. Die Jugend schaffe durch ihre Neugier eine Art Nische im deutsch-israelischen Verhältnis, sagt die Lehrerin. Früher hätten älteren Menschen beim Einstufungstest für Kurse am Goethe-Institut die Hände gezittert. Heute kämen die Mädchen und könnten es kaum abwarten,die Worte des neuesten Tokio-Hotel-Hits zu lernen. Nur eine Masche? Nein, sagt Goldberg. Dieser Trend werde länger andauern. Es sei nicht wie 2006, als die Fußballweltmeisterschaft die Zahl der männlichen Teilenehmer bei den Sprachkursen nach oben schnellen ließ. "Die waren nach der WM auch wieder weg", sagt sie. |
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